37 Klassische Walpurgisnacht Teil 1 - faust-1-faust-2-inszenierung.com

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37 Klassische Walpurgisnacht / Teil 1  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Pharsalische Felder / Am oberen Peneios
Erichtho
Zum Schauderfeste dieser Nacht, wie öfter schon,      
Tret ich einher, Erichtho, ich, die Düstere;
Als Nachgesicht der sorg- und  grauenvollsten Nacht.
Der Mond, zwar unvollkommen, aber leuchtend hell,
Erhebt sich, milden Glanz verbreitend überall
Doch über mir! welch unerwartet Meteor?                 
Ich wittre Leben. Da geziemen will mir`s nicht,
Lebendigem zu nahen, dem ich schädlich bin:
Homunculus
Sieh! da schreitet eine Lange
Weiten Schrittes von uns hin.
Mephistopheles 
Ist es doch, als wär ihr bange:
Sah uns durch die Lüfte ziehn.
Homunculus
Lass sie schreiten! - Setz ihn nieder,
Deinen Ritter, und sogleich
Kehret ihm das Leben wieder;
Denn er sucht`s im Fabelreich.
Faust
Wo ist sie?
Homunculus
Wer zu den Müttern sich gewagt
Hat weiter nichts zu überstehen.
Mephistopheles 
Lass deine Leuchte, Kleiner, tönend scheinen.
Homunculus
So soll es blitzen, soll es klingen.
Faust
Wo ist sie? - Frage jetzt nicht weiter nach!
Und find ich hier das Seltsamste beisammen,
Durchforsch ich ernst dies Labyrinth der Flammen.
Mephistopheles 
Fast alles nackt, nur hie und da behemdet,
Die Sphinxe schamlos, unverschämt die Greife,                            
Zwar sind auch wir von Herzen unanständig,
Doch das Antike find ich zu lebendig;
Ein widrig Volk! 
Sphinx
Nenne dich!
Mephistopheles 
Mit vielen Namen glaubt man mich zu nennen. -
Sphinx
Hast du von Sirenen einige Kunde?
Was sagst du zu der gegenwärtigen Stunde?
Mephistopheles 
Mir ist wohl an dieser trauten Stelle,
Ich wärme mich an deinem Löwenfelle.
Erster Greif
Den mag ich nicht!
Zweiter Greif
Was will uns der?
Sphinx
Du magst nur immer bleiben.
Mephistopheles 
Du bist recht appetitlich oben anzuschauen                
Doch untenhin - die Bestie macht mir Grauen.
Wer sind die Vögel?
Sphinx
Die Allerbesten                      
Hat solch ein Singsang schon besiegt.
Mephistopheles 
Das Trallern ist bei mir verloren:
Es krabbelt wohl mir um die Ohren,
Allein zum Herzen dring es nicht.
Sphinxe
Sprich nicht vom Herzen! Das ist eitel:
Ein lederner, verschrumpfter Beutel,
Das passt dir eher zu Gesicht.
Faust
Wie wunderbar! Das Anschau`n tut mir G`nüge:
Wohin versetzt mich dieser ernste Blick!                    
Vom frischen Geiste fühl ich mich durchdrungen:
Gestalten groß, groß die Erinnerungen.
Mephistopheles 
Sonst hättest du dergleichen weggeflucht.
Doch jetzo scheint es dir zu frommen;
Denn wo man die Geliebte sucht,
Sind Ungeheuer selbst willkommen.
Faust
Ihr Frauenbilder müsst mir Rede stehn:
Hat eins der euren Helena gesehn?
Sphinxe
Von Chiron könntest du`s erfragen;
Der sprengt herum in dieser Geisternacht;
Kannst du den hohen Chiron finden,
Erfährst du, was ich dir verhieß.              
 
Vor diesen sei euch ja nicht bange!
Es sind die Köpfe der Lernäischen Schlange,              
Vom Rumpf getrennt, und glauben was zu sein. –
 
Wo wollt ihr hin? - Begebt euch fort! -
Mephistopheles 
Ihr bleibt doch hier, dass ich euch wiederfinde?
Sphinxe
Ja! Misch dich zum luftigen Gesinde!
Wir, von Ägypten her, sind längst gewohnt,
Dass unsereins in tausend Jahren thront.
Faust
So wunderbar bin ich durchdrungen!
Sind`s Träume? Sind`s Erinnerungen?
Schon einmal warst du so beglückt.
Nymphen
Hör ich recht, so kommt mir`s vor
Als der Schall von Pferdes Hufe.
Wüsst ich nur, wer dieser Nacht
Schnelle Botschaft zugebracht!                           
Faust
Ist mir doch, als dröhnt` die Erde,
Schallend unter eil`gem Pferde!
O Wunder ohnegleichen!
Halt, Chiron! Halt! Ich habe dir zu sagen -         
Chiron
Was gibt`s? Was ist`s?
Faust
Bezähme deinen Schritt!
Chiron
Ich raste nicht.
Faust
Du hast die Größten deiner Zeit geseh´n,
Doch unter den heroischen Gestalten
Wen hast du für den Tüchtigsten gehalten?
Chiron
Sitz auf! So kann ich nach Belieben fragen:
Wohin des Wegs? Du stehst am Ufer hier,
Ich bin bereit, dich durch den Fluß zu tragen.
Faust
Du hast die Größten deiner Zeit geseh´n,
Doch unter den heroischen Gestalten
Wen hast du für den Tüchtigsten gehalten?
Chiron
Im hehren Argonautenkreise
War jeder brav nach seiner eignen Weise,         
Die Dioskuren haben stets gesiegt,
Dann Orpheus: zart und immer still bedächtig,
Schlug er die Leier, allen übermächtig.
Scharfsichtig Lynkeus, der bei Tag und Nacht
Das heil´ge Schiff durch Klipp und Strand gebracht.
Faust
Vom schönsten Mann hast du gesprochen,
Nun sprich auch von der schönsten Frau!
Chiron
Was! - Frauenschönheit will nichts heißen,
Ist gar zu oft ein starres Bild;
Nur solch ein Wesen kann ich preisen,
Das froh und lebenslustig quillt.                                 
Die Schöne bleibt sich selber selig;
Die Anmut macht unwiderstehlich,
Wie Helena, da ich sie trug.                       
Faust
Du trugst sie?
Chiron
Ja, auf diesem Rücken.
Sie fasste so mich in das Haar,
Wie du es tust.
Faust
O ganz und gar
Verlier ich mich! Erzähle, wie?
Sie ist mein einziges Begehren!
Woher, wohin, ach! Trugst du sie?
Chiron
Die Frage lässt sich leicht gewähren.
Die Dioskuren hatten jener Zeit                                  
Das Schwesterchen aus Räuberhand befreit.
Die Brüder wateten, ich patschte, schwamm hinüber;
Da sprang sie ab und streichelte
Die feuchte Mähne, schmeichelte
Und dankte lieblich-klug und selbstbewusst.
Wie war sie reizend! Jung, des Alten Lust!
Faust
Das ewige Wesen, Göttern ebenbürtig,
So groß als zart, so hehr als liebenswürdig?
Du sahst sie einst, heut hab ich sie gesehn,                 
So schön wie reizend, wie ersehnt so schön!
Nun ist mein Sinn, mein Wesen streng umfangen:
Ich lebe nicht, kann ich sie nicht erlangen.
Chiron
Mein fremder Mann, als Mensch bist du entzückt;
Doch unter Geistern scheinst du wohl verrückt.
Nun trifft sich´s hier zu deinem Glücke;
Denn alle Jahr, nur wenig Augenblicke,
Pfleg ich bei Manto vorzutreten,               
Faust
Geheilt will ich nicht sein.
Chiron
Geschwind herab.  Wir sind zur Stelle
Manto
Von Pferdes Hufe
Erklingt die heilige Stufe,
Halbgötter treten heran.
Chiron
Ganz recht!
Nur die Augen aufgetan!
Manto
Willkommen!
Streifst du noch immer unermüdet?
Chiron
Wohnst du noch immer still umfriedest,
Indes zu kreisen mich erfreut.
Manto
Ich harre, mich umkreist die Zeit. -
Und dieser?
Chiron
Helenen, mit verrückten Sinnen,
Helenen will er sich gewinnen
Und weiß nicht, wie und wo beginnen:
Manto
Den lieb ich, der Unmögliches begehrt.
Tritt ein, Verwegner, sollst dich freuen!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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